Jakobsweg Bremen – Vechta

Wo beginnt der Jakobsweg? In einem kleinen Ort an der französisch-spanischen Grenze? Nein. Er beginnt vor deiner Haustür. Die Pilger im Mittelalter sind auch nicht erst mit einem Transportmittel bis an die spanische Grenze gefahren. Wie denn auch? Sie alle sind vor der eigenen Türe gestartet. Daher gibt es in ganz Europa sternförmig angeordnete Wege nach Santiago de Compostela.

Nicht weit von meiner Wohnung in Bremen verläuft einer dieser Jakobswege die alle das gleiche Ziel haben. Daher war meine Verbindungsetappe zum Jakobsweg nur ca. 200 m. Leider habe ich nicht die Zeit um diesen Pilgerweg am Stück zu laufen. Von Bremen aus sind das etwa 2.500 Kilometer. Also fange ich mal in kleineren Etappen an. Am letzten langen Wochenende bin ich gestartet auf meiner ersten Etappe von Bremen nach Vechta. Das sind immerhin 100 Kilometer für die ich 4Tage Zeit hatte.

An Christi Himmelfahrt startete ich also in Richtung Bremer Innenstadt. Meinen Pilgerausweis habe ich im Vorfeld bereits bei der Deutschen Jakobus Gesellschaft in Aachen angefordert. Überall gibt es die bekannten Schilder am Straßenrand. Bislang sind sie mir nur nicht aufgefallen. Die gesamte Strecke bis Vechta ist relativ gut beschildert. Ich hatte zwar mein GPS dabei. Die Dateien erhält man sich auf verschiedenen Seiten im Internet. Aber ohne wäre es auch gegangen.

Von der Bremer Innenstadt geht es dann über die Weser und am Werdersee entlang bis man in Dreye den Weserdeich verlässt und sich durch die Wiesen über Kirchweyhe nach Barrien begibt. Leider verläuft der Jakobsweg nicht immer über schöne Feld- und Wanderwege. Die meisten Etappen verlaufen auf asphaltierten Wegen. Es ist halt ein Pilgerweg und dient nicht dem Vergnügen des Wanderers.

In Barrien erwartet mich nach 27 km die St. Bartholomäuskirche. In der Kirche gibt es einen Pilgerstempel. Dieser liegt nicht in allen Kirchen aus. Teilweise liegen die Stempel in der Nachbarschaft beim Pfarrer oder einem Geschäft. Aber in einigen Kirchen bin ich auch leer ausgegangen. Jetzt geht es noch zu meiner Unterkunft. Meiner Bruder wohnt nur ein paar Kilometer entfernt. Die werden natürlich auch zu Fuß absolviert. Der Abend geht mit Sonnenschein im Garten zu Ende.

Am nächsten Tag steht eine doppelte Etappe auf dem Programm. Von Barrien über Harpstedt nach Wildeshausen. Das sind 33 km. Morgens schmerzen die Knochen etwas bis sich alles schnell reguliert.

Stetig leicht bergan und bergab geht es – wenn man davon hier in Norddeutschland überhaupt reden kann – vorbei an Fesenfeld, Klosterseelte und Dünsen bis nach Harpstedt. Eine sehr schöne Etappe die immer wieder auf längere Strecken auch über unebene Wege geht und nicht komplett auf Asphalt. Ein wunderschöner ruhiger Weg, ganz anders als die vielen Radfahrer die gestern unterwegs waren.

Allerdings bildet sich links eine große Blase am Fuß. Ich versuche den Fuß zu entlasten was allerdings dazu führt dass die Schmerzen nicht weniger werden sondern sich nur verlagern. Nach 20 km bin ich in Harpstedt angekommen. Nachdem ich meinen Pilgerstempel in der Bäckerei erhalten habe hole ich mir in der Apotheke Blasenpflaster. Die letzten Kilometer bis Wildeshausen fahre ich dann aber lieber mit dem Bus. Morgen geht es dann wieder richtig weiter. In Wildeshausen habe ich im Landhaus Thurm-Meyer übernachtet. Ich hatte ein nettes kleines Zimmer unter dem Dach. Den Abend ließ ich im Garten ausklingen, habe dort gut gegessen und ruhig geschlafen.

Am nächsten Morgen ging es meinem Fuß wieder besser – wenn auch nicht gut. Aber der Pilgerweg geht weiter. Bis nach Visbek sind es 20 km. Der erste Stop war an der Alexanderkirche in Wildeshausen in der die Reliquien des Heiligen Alexanders liegen. Den Pilgerstempel gab es beim Pastor gleich gegenüber der Kirche. Die komplette Familie hat mich an der Haustür empfangen. Dann geht es gen Westen durch Wildeshausen. Der Weg gelangt sehr schnell in den Wald. Die Etappe nach Visbek verläuft größtenteils über Feld- und Waldwege. Bei der Aumühle gibt es die Möglichkeit am See eine Rast einzulegen. Der weitere Weg verläuft durch eine schöne Allee. Am Ende befindet sich das Landgasthaus Auetal. Für das Mittagessen war es für mich jedoch noch zu früh. Ich hatte im Hotel ein sehr gutes Frühstück.

Nach Überquerung der Straße geht es dann recht schnell wieder in den Wald. Im Hintergrund ist die Autobahn zu hören die nicht weit entfernt ist. Die Visbeker Braut, ein Großsteingrab liegt direkt am Weg und kann besichtigt werden. Ein paar Bänke laden zu einer erholsamen Rast ein. Wenn nur die Autobahn nicht wäre die hier lediglich 200 m entfernt ist.

Weiter geht es durch schöne Wälder und vorbei an Ackerflächen bis zur Bullmühle. Nachdem die eigentliche Mühle abgebrannt ist wurde sie vom Besitzer als Gastronomiegebäude wieder aufgebaut. Hier sollte jeder Pilger einen Stop einlegen und sich einen leckeren Kuchen gönnen. Man mag gar nicht mehr aufstehen – was anschließend auch wirklich schwer viel. Aber bis Visbek sind es nur noch etwa 3 km. Aber diese ziehen sich gewaltig in die Länge. Der restliche Weg führt fast ausnahmslos auf asphaltiertem Belag.

In Visbek erwartet einen die Katholische Kirche St. Vitus. Mein Hotel, das Hotel Haus Linus, steht direkt neben der Kirche. Vom Fenster aus hatte ich direkten Blick auf die Kirche. Für einen Pilger natürlich die beste Aussicht. Kurz vor 17:00 Uhr läuteten die Glocken zur Vorabendmesse. Morgen ist Sonntag. Also ging es sogleich in die Messe. Sie war gut besucht. Leider war der Pilgerstempel in der Kirche nicht vorhanden. Keiner konnte ihn auftreiben. Das kann man besser machen.

Der letzte Tag steht an. Es geht von Visbek nach Vechta. Diese Etappe ist etwas über 20 km lang. Sie ist für mich die Etappe der Wegkreuze. Eine solche Dichte an schönen Wegkreuzen habe ich bislang nur in Baden-Württemberg und Bayern erlebt. Der Weg verläuft wieder mal weitgehend auf Asphalt und auch viel entlang von Landstraßen. In Lutten sollte man auf jeden Fall die St. Jakobuskirche besichtigen. Links vom Altar eine große Jakobusstatue. Hier gibt es den Pilgerstempel direkt in der Kirche. Ein Pilgerbuch ist ebenfalls vorhanden.

Kurz vor dem Ziel in Vechta noch ein Besuch der St. Marien Kirche im Stadtteil Oythe. Sie ist eine der letzten erhaltenen Kirchen die aus Findlingen gebaut wurden. Am Gut Füchse zweigt eine Verbindungsetappe nach rechts in Richtung Vechta ab für alle die hier entweder eine Übernachtung einlegen oder wie ich den Bahnhof ansteuere. Der Weg bis zum Bahnhof zieht sich aber noch gewaltig in die Länge. Der Zug nach Bremen fährt hier 1x pro Stunde. In einer Stunde ist man dann wieder in Bremen.

Insgesamt eine tolle Erfahrung. Ich mache auf jeden Fall weiter und starte meine nächste Etappe in Vechta. Von dort aus geht es dann weiter über Osnabrück und Münster nach Köln.

Streckenlänge: 100 km

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